In der Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport (BJS) vom 17.09.2025 wurde die Namensänderung der Grundschule „Emil-Nolde-Schule“ (ENS) in Grundschule „Brektehegel“ behandelt.
Die Schule ist nach dem Maler Emil Nolde (1867–1956) benannt, der ab 1926 in Seebüll (Nordfriesland) lebte und arbeitete. Sein Haus ist heute ein Museum.
Emil Nolde galt nach dem Zweiten Weltkrieg als von den Nazis verfolgter Künstler. „Von kaum einem anderen Künstler wurden nach 1937 so viele Werke als ‚entartet‘ aus den deutschen Sammlungen entfernt wie von ihm“, so der Deutschlandfunk in einer Sendung vom 10.04.2019. Nolde selbst war Mitglied der NSDAP und setzte, unterstützt von einflussreichen Nazi-Größen, seine Arbeit trotz Berufsverbot weiter fort. Er denunzierte seinen Konkurrenten Max Pechstein fälschlicherweise als Juden, was diesen in Lebensgefahr hätte bringen können, und entwarf einen „Judenplan“, nach dem alle Menschen jüdischen Glaubens auszuweisen wären.
Dass eine Grundschule den Namen eines Antisemiten, Denunzianten und letztlich eines Lügners, der sich nach dem Krieg als Opfer stilisierte, nicht tragen möchte, ist wohl sehr nachvollziehbar. Schulleiterin Andrea Aust war gestern persönlich im Ausschuss, um den Antrag der Schule auf Namensänderung zu erläutern. Die Grundschule ENS war die allererste Schule (damals Volksschule) in Bargteheide.
Zur Verfügung standen fünf Vorschläge:
- Grundschule Brektehegel
- Grundschule Op de Wurth
- Grundschule Am Bornberg
- Grundschule Am Schulzentrum
- Grundschule Angerdorf
Stimmberechtigt waren die Schülerinnen und Schüler sowie die Beschäftigten der Emil-Nolde-Schule. Stellvertretend für die Bürgerinnen und Bürger Bargteheides gaben die Eltern ihr Votum ab.
Mit großer Mehrheit wurde der Name „Brektehegel“ ausgewählt. Brektehegel war der erste, 1314 urkundlich erwähnte Name des heutigen Bargteheides.
Von allen anwesenden Parteien wurde das Vorgehen der Schule zur neuen Namensfindung als sehr demokratisch gelobt.
In der Abstimmung stimmten SPD, WfB, Grüne und FDP für eine Namensänderung, die CDU enthielt sich.
Im festen Glauben daran, dass der Antrag der Schule positiv im BJS entschieden werden würde, verteilte Schulleiterin Aust nach der Entscheidung schon einmal Kugelschreiber mit der Aufschrift „Grundschule Brektehegel“.
Die endgültige Entscheidung trifft am 16.10.2025 die Stadtvertretung.
