Im Augenblick

Andreas Samtleben 29.10.2022

Als sich am Donnerstag, den 27. Oktober in der Stadtvertretung eben Stadtvertreterinnen, Stadtvertreter und eine Vielzahl an jungen Erwachsenen gegebenübersaßen und -standen, war die Anspannung spürbar. So viele interessierte Bürgerinnen und Bürger sind selten bei Sitzungen anwesend. Die wenigen, die sonst kommen, kann man an den Fingern abzählen und meist handelt es sich um alte Bekannte.

Alle warteten gespannt auf den Tagesordnungspunkt 6 „Nutzungsduldung für die Initiative Jugend für Jugend (JfJ) für Räumlichkeiten in der Villa Wacker“.

Die JfJ hatte mit einer Demonstration am 07. Oktober 2022 mehr Raum für die Jugend gefordert und mit einer, über Nacht andauernden Besetzung der Villa Wacker das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. In einem anschließenden Gespräch mit Politik und Verwaltung wurde vereinbart, das Thema der JfJ auf die Tagesordnung der Stadtvertretung zu nehmen.

Jonas B., Sprecher der JfJ erläuterte dort dann unter dem TOP 6 nochmals die Situation der Jugendlichen in Bargteheide. Er zeichnete die Situation mit dem immer dringenderen Bedürfnis der Jugend auf, Räume in Selbstverwaltung zu bekommen. Zumal immer mehr Räume für die Jugend in den letzten Jahren bis Jahrzehnten weggebrochen seien. Als ein wirklicher Streifen am Horizont stellt sich dagegen die Villa Wacker dar. Das alte Gebäude böte eine wirkliche Alternative für die Jugend. Sowohl die Räume, als auch das Gelände seien ideal.

Das Thema „Jugendfreizeitstätte“, wie es in einem Wahlprogramm der FDP Bargteheide aus dem Jahre 1982 noch heißt und die Forderung auf eine Ausweitung der „Nutzungszeit für die nichtorganisierte Jugend“ sind also nicht neu. Vierzig Jahre sind seitdem vergangen. Hinzugekommen sind vor 15 Jahren Container, die am Stadtrand als Übergangslösung für das Autonome Jungendhaus Bargteheide (AJH) gedacht waren und sonst scheinbar nichts. Immerhin gibt es seit 2019 auch einen Kinder- und Jugendbeirat in Bargteheide.

Der Druck der Jugendlichen nach eigenen Räumen verschärfte sich besonders während und nach der Pandemie. Der Fokus der Bundes- und Landes- und Kommunalpolitik lag auf Vielem, Kinder und Jugendliche gehörten eher nicht dazu. Die jetzt nach der Pandemie festgestellten Auswirkungen wie psychologische Problemlagen und die erhöhte Gewaltbereitschaft in den Familien konnte den Blick für die Nöte vielleicht schärfen, darauf ausgerichtet war er aber nicht. Um in diesen Blickpunkt zu gelangen, tingelte die Initiative von Ausschuss zu Ausschuss und stieß auf offene Ohren und nickende Köpfe.

Seien wir doch einmal ehrlich. Wer versteht denn Jugend besser als die Jugend selbst? Vielleicht die Sozialarbeiter (und -innen [chapeau!]), die sie tagtäglich auf dem Schirm haben. Daher darf die Politik die mehr als notwendige Forderung, denn als eine Bitte aufgezählten Maßnahmen, als Teil demokratischer Hilfestellung annehmen. Auch wenn sich so mancher daran stören mag.

Bitter für die Jugendlichen ist der Zeitpunkt ihres Erwachens. Die fetten Jahre, wo die Stadt Geld und Grundstücke gehabt und die Anforderungen hätte locker erfüllen können, sind vorübergezogen, ungenutzt und auch wenn es hart klingt, gilt das für beide Seiten.

Heute herrschen Wohnungsnot, Energieknappheit, Umweltprobleme und Personalmangel in der Verwaltung. Eine seit Jahrzehnten nun wieder notwendige Kreditaufnahme, bei steigenden Zinsen, tut ihr Übriges.

Und auch die so scheinbar einfache Lösung des Problems -Villa Wacker- verschließt ihre Pforten. Eingedenk der Tatsachen, dass eben nicht klar ist, wie hoch der Schaden durch einen Wasserrohrbruch ist und ob möglicherweise das Fundament unterspült und die Ölheizung in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Auswirkungen durch Schimmelbildung und eine immer noch bestehende Teilunterflutung des Kellers stehen als sichtbare Zeichen dafür, ein notwendiges Gutachten in Auftrag zu geben. Die „Begehung“ eines von den Grünen beauftragten und medienwirksam in die Presse gebrachten Gutachters glich eher einer Inaugenscheinnahme, bemerkte Sven Meding (CDU) und wollte diese dann ehrlicherweise auch als solche bezeichnet sehen. Einen obendrauf gab es dann noch von Gorch-Hannis la Baume (FDP). Als Baustatiker gab er zu bedenken, dass es sich um ein Wohngebäude handelt und nicht um eine von ihrer Statik mit ganz anderen Voraussetzungen zu versehende Versammlungsstätte. Und die rechtlichen Hürden sind kaum überschaubar.

Natürlich konnten die Jugendlichen mit diesem Ergebnis nicht zufrieden sein, dementsprechend war dann auch das Statement ihres Sprechers Jonas B..

Doch jetzt gilt es auch für die JfJ ihren Blick nachzuschärfen. Sie hat etwas angestoßen, was so in Bargteheide noch nicht da gewesen sein mag.

Die Politik hat ihre Bedürfnisse fest im Blick und wird sie auch so schnell nicht wieder aus den Augen lassen.

Schauen wir mal.

Bild von Alexa auf Pixabay